Ausgehend von der Tatsache, dass in Unterwürschnitz (das liegt zwischen Oelsnitz und Adorf) im Jahre 1647 das erste Mal Kartoffeln auf Feldern angebaut wurden und es in der deutschen Agrargeschichte zur Zeit keinen früheren urkundlichen Beleg über den feldmäßigen Kartoffelanbau gibt, sind wir der Meinung, dass wir diesen Umstand stärker in das Bewusstsein eines jeden Kartoffelessers bringen sollten. Des weiteren gibt es wohl kaum eine andere Kulturpflanze, die eine derart große Sortenvielfalt bietet (Experten schätzen, dass derzeit auf der Welt mehrere 10.000 verschiedene Kartoffelsorten existieren). Aufgrund der Anforderungen durch industrielle Verarbeitung, des Züchtungsfortschritts, der veränderten Geschmacksgewohnheiten der Menschen und weiterer Faktoren sind derzeit im Sortenregister von Deutschland nur noch ca. 200 Sorten zugelassen. Daher scheint es uns wichtig, die Sortenvielfalt zu zeigen und erlebbar zu machen.
Vor einigen Jahren haben wir daher begonnen, alte, fast unbekannte Sorten selbst zu vermehren. Das Pflanzgut bekamen wir entweder über die Genbank in Großlüsewitz (je Sorte meist nur 3 Knollen) oder über einige gleich gesinnte Landwirte. Die ersten Erfahrungen sammelten wir mit ca. 20 verschiedenen Sorten. Je Sorte hatten wir damals nur maximal 20 Knollen zur Verfügung. Dementsprechend klein und überschaubar war auch die Anbaufläche. Schon bald bemerkten wir gravierende Unterschiede zwischen den Sorten. Nicht nur die botanische Vielfalt war verblüffend (z.B. fanden wir weiße, violette, blaue, sogar rosafarbene Blüten vor), sondern auch der Reifezeitpunkt war sehr abweichend (von früh- bis sehr spät reifend). Besonders deutlich mussten wir aber erkennen, dass der züchterische Fortschritt zur damaligen Zeit noch lange nicht dem heutigen Stand entsprach. Züchterisch gewonnene Sortenmerkmale wie Resistenzen gegen bestimmte Krankheiten wie z.B. Phytophtera, Kartoffelkrebs oder Schorfanfälligkeit waren damals eher ein Zufallsprodukt. So bemerkten wir sehr schnell, dass diese alten historischen Kartoffelsorten einer intensiveren Pflege als die heutigen Sorten über die gesamte Vegetationszeit hinweg bedürfen.
Im Folgejahr haben wir noch einmal einige Sorten ausgetauscht (z.T. wegen des Geschmacks, aber auch wegen der Krankheitsanfälligkeit oder wegen mangelnden Pflanzgutes) und verdreifachten die Anbaufläche. Während wir im ersten Jahr noch alle Arbeiten von der Aussaat bis zur Ernte per Hand erledigen konnten, mussten wir nun schon etwas „mechanisieren“. So wurden wir diesmal bei der Ernte von einem Pferd und einer Kartoffelschleuder unterstützt.
Ab 2008 werden wir auf einer Fläche von ca. 1,5 ha nach alter Tradition eine 4-Felderwirtschaft einrichten.






