Anbauempfehlungen für den Garten

Mit den nachfolgenden Anbauempfehlungen möchten wir Ihnen nicht nur sagen, was Sie idealerweise wann und wie machen sollten, sondern wir versuchen unsere Empfehlungen in acker- und pflanzenbaulichen Zusammenhänge zu bringen. Denn was in einem Jahr gut funktioniert hat, muss im Folgejahr aufgrund völlig anderer Voraussetzungen (Witterung etc.) nicht zwangsläufig zum Erfolg führen. Auch wir lernen jedes Jahr neue Dinge …

 

1.Standortwahl, Vorfrucht und Bodenbeschaffenheit

Entgegen der landläufigen Meinung, wonach Kartoffeln nur auf besonders guten und fruchtbaren Böden gedeihen würden, sind die Pflanzen doch eher anspruchslos und der Anbau gelingt auf nahezu allen Böden. Das einzige was Kartoffeln überhaupt nicht mögen ist Staunässe und Frost! Daher sollten Sie immer auf eine gute Durchlüftung des Bodens achten, damit das Wasser auch bei intensiven Niederschlägen gut versickern kann. Während leichte sandige Böden aufgrund ihrer gröberen Körnung von Natur aus eine gute Durchlüftung bieten und sich dadurch im Frühjahr auch schneller erwärmen (zeitige Aussaat möglich), können schwerere Böden aufgrund ihres höheren Feinporenanteils das Wasser besser speichern, wodurch die Pflanzen auch längere Trockenperioden ohne zusätzliche Wassergaben besser überstehen. Die jeweiligen Besonderheiten hinsichtlich der Bodenbeschaffenheit können teilweise durch entsprechende Maßnahmen ausgeglichen werden (öfters gießen oder mechanische Unkrautbekämpfung mit der Hacke zum Aufbrechen verkrusteter Dammkronen usw.).

Kartoffeln sollten nur alle 4 Jahre auf der gleichen Parzelle angebaut werden (3jährige Anbaupause). Grund dafür sind natürliche, im Boden lebende Schaderreger (z.B. Nematoden), die beim Kartoffelanbau eher nicht erwünscht sind. Im Jahr des Kartoffelanbaus werden sich diese Schaderreger aufgrund des nun ausreichenden Nahrungsangebots sehr gut entwickeln und vermehren können, ohne dass sie aber das Ernteergebnis überdurchschnittlich negativ beeinflussen. Durch eine entsprechend lange Anbaupause baut sich dieser Populationsanstieg ganz natürlich wieder ab.

Als Vorfrüchte zu Kartoffeln eignen sich praktisch alle Kulturen. Lediglich Tomaten, Gurken oder Kürbis sollten Sie als unmittelbare Vorfrüchte vermeiden, da diese genau wie die Kartoffel zur Familie der Nachtschattengewächse zählen.

TIPP: Auf umgebrochenen Wiesen oder ehemaligen Grasland sollten Sie mindestens 10 Jahre lang keine Kartoffeln anbauen, denn Drahtwürmer und bestimmte sauerstoffliebende Bakterien, welche bevorzugt in Grasland zu finden sind, würden die Qualität der Knollen deutlich mindern (Bohrfraß, Kartoffelkrebs, Kartoffelschorf etc.).

 

2.Bodenvorbereitung

Idealerweise arbeiten Sie bereits im Herbst beim umgraben gut verrottetes organisches Material in den Boden ein (z.B. Kompost oder Mist), bei sauren Böden auch ein wenig Kalk mit untergraben. Während der Kalk in jedem Fall im Herbst gegeben werden sollte, kann das organische Material notfalls auch noch im Frühjahr untergegraben werden. Dieses sollte dann aber wirklich gut verrottet sein, andernfalls bilden sich größere Hohlräume, in denen sauerstoffliebende Bakterien ideale Entwicklungsbedingungen finden und deutlich erhöhte Schorf- und Rhizoctonia-Risiken hervorrufen können. Mit dem organischen Material sichern Sie nicht nur eine gleichmäßige Grundversorgung mit Pflanzennährstoffen über die Vegetationsperiode ab, sondern Sie unterstützen auch eine schöne krümelige Bodenstruktur, in der ein ausgewogenes Verhältnis von Grobporen (Luftführung) und Feinporen (Wasserführung) besteht. Vor der Aussaat im Frühjahr reicht eine oberflächige Bodenlockerung mit der Hacke.

 

3.Sortenwahl

Zugegebenermaßen fällt es bei der Vielzahl unserer Kartoffelangebote mit den unterschiedlichsten Merkmalen nicht leicht, die passende Kartoffelsorte(n) in unserem Onlineshop zu finden (www.guendels-kartoffelwelt.de). Gehen Sie jedoch grundsätzlich davon aus, dass alle Kartoffelsorten auch in unseren Breiten gedeihen (schließlich vermehren wir alle Sorten auch selbst!). Vielleicht fällt Ihnen die Auswahl leichter, wenn Sie zunächst anhand einiger Auswahlkriterien eine ganz individuelle Wichtung vornehmen:

·   Reifezeitpunkt (sehr früh bis sehr spät)

·   sofortige Verwendung (frühe Sorten) oder Lagerung/Einkellerung (späte Sorten)

·   Ertrag (alte Sorten haben meist geringeren Ertrag als moderne)

·   Geschmack (alte Sorten sind oftmals intensiver im Geschmack)

·   Fleischfarbe (weiß bis blaufleischig)

·   Knollengröße / Knollenform / Augentiefe

·   Kochtyp / Verwendung (festkochend – mehligkochend)

·   Widerstandsfähigkeit gegenüber Pflanzenkrankheiten (anfällig bis resistent)

·   Pflegeaufwand während der Vegetationszeit (z.B. Wasserversorgung)

In unserem Onlineshop (www.guendels- kartoffelwelt.de) können Sie Ihre Suche sehr einfach nach frei wählbaren Kriterien eingrenzen. In den jeweiligen ausführlichen Sorten- bzw. Artikelbeschreibungen finden Sie weitere detaillierte Hinweise auf bestimmte Besonderheiten einzelner Sorten.

 

4.Pflanzgutvorbereitung

Wie jede andere Pflanze hat auch die Kartoffel immer das Bestreben ihre Art zu erhalten und sich zu vermehren. Damit immer wieder Knollen mit den gleichen Sortenmerkmalen des Vorjahres entstehen, bedienen wir uns heutzutage der vegetativen Vermehrung, also dem Heranziehen einer neuen Pflanze aus der Mutterknolle. Für gewöhnlich verwenden wir dafür die kleineren Knollen, denn die Mutterknolle wird nur anfänglich als Energie- und Nährstoffquelle für die sich entwickelnden Keimspitzen benötigt. Parallel dazu entwickelt die junge Kartoffelpflanze sehr frühzeitig ein eigenes kräftiges Wurzelwerk und kann somit sehr schnell auch ohne den „Nährstoffspeicher“ der Mutterknolle überleben. Auch wenn die Mutterknolle aufgrund der langen Lagerzeit seit der letzten Ernte schon etwas welk geworden sein sollte, in der Regel entstehen daraus trotzdem absolut gesunde und kräftige Pflanzen.

Bei Saatgutknappheit kann die Mutterknolle durchaus vor der Aussaat halbiert werden. Sie sollten dabei allerdings darauf achten, dass an jeder Knollenhälfte mindestens 3 Augen vorhanden sind, denn dies sind die Ansätze für die Entstehung der Keimspitzen. Bei fast allen alten historischen Kartoffelsorten ist dies im Gegensatz zu vielen modernen Neuzüchtungen gegeben. Nach dem Zerschneiden sollten die Kartoffelhälften noch ca. eine Woche luftig gelagert werden, damit sich an der Schnittfläche eine dünne Korkschicht bilden kann (natürlich Wundheilung), welche das spätere Eindringen von Bakterien und Pilze im Boden verhindert.

TIPP:  Bei den von uns versendeten Kartoffeln bedarf es für die Aussaat keiner besonderen Vorbereitungen oder Behandlungen der Knollen, denn wir versenden nur von Hand sortierte Knollen.

Im heutigen modernen Kartoffelanbau ist das Vorkeimen der Knollen eine sehr weit verbreitet Maßnahme, um den Erntetermin vorverlegen zu können. Dabei macht man sich zu nutzen, dass die Stoffwechselprozesse in der Knolle bei Temperaturen von >6-8°C (sortenabhängig) wesentlich intensiver ablaufen. Dazu werden die Knollen idealerweise bei 12-15°C und diffusem Licht (keine direkte Sonneneinstrahlung) lose nebeneinanderliegend eine gewisse Zeit gelagert (am besten in Obststiegen). Selbst eine kurzzeitige Lagerung bei höheren Temperaturen ohne Keimbildung bringt schon einen zeitlichen Vorsprung, denn die Knollen kommen vor der Aussaat bereits in „Keimstimmung“. Bei keimfreudigen Sorten kann man vielleicht schon nach ca. 1 Woche die ersten Keime entdecken, bei ausgewiesenen Lagerkartoffeln mit langer natürlicher Keimruhe kann dieser Prozess durchaus 3 Wochen dauern. Durch Absenken der Raumtemperaturen kann nicht nur der Vorkeimprozess ein wenig zeitlich gesteuert werden, sondern die jungen Keime werden auch gleichzeitig vor der Aussaat in den oftmals noch kalten Boden etwas abgehärtet. Wenn die Keime ca. 3 cm lang sind können die Knollen in der Erde gepflanzt werden.

 

5.Aussaat und Jugendentwicklung

„Legst de mich im April, komm ich wann ich will, legst de mich im Mai, komm ich gleich!“ Diese hinlänglich bekannte Bauernweisheit gilt auch heute noch unverändert. Es wird damit auf die temperaturabhängige Stoffwechselintensität in der Mutterknolle Bezug genommen. Wie oben bereits beschrieben benötigen die Saatkartoffeln Bodentemperaturen von mindestens 8°C, damit sich rasch eine kräftige Pflanze entwickeln kann. In Abhängigkeit von der Region und dem jeweiligen Witterungsverlauf ist dies in der Regel erst ab Mai durchgängig gegeben. Bodentemperaturen unter 8°C sind für die Kartoffeln nicht schädlich, jedoch liegt die Knolle dann im Boden und nichts passiert. Je schneller die Pflanze aus dem Jugendstadium herauswächst, desto kräftiger wird sie sich entwickeln und Schädlingen verleibt nicht so viel Zeit für ihr unerwünschtes Tun. Mit dem Anbau im Gewächshaus oder unter Folie können die gewünschten Bodentemperaturen auch schon früher erreicht werden (März).

Legen Sie die Saatkartoffeln reihenweise in ca. 5 cm Tiefe mit einem Abstand von 30-35 cm in den nicht zu feuchten und gut abgesetzten Boden ab, der Abstand zwischen den Reihen sollte 65-70 cm betragen. Bei vorgekeimten Knollen sollten die Keimspitzen nach oben zeigen, damit sich schnell der Blattapparat entwickeln kann. Bedecken Sie die Pflanzkartoffeln mit Erde und drücken Sie diese etwas an.

Je Quadratmeter Aussaatfläche benötigen Sie also 4-5 Knollen. In unserem Onlineshop können Sie auch kleine Liefermengen bereits ab 1 kg bestellen. Mit der Lieferoption „kleine Sortierung“ erhalten Sie dann 15-25 Knollen (sortenabhängig).

Ein anhäufeln ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht zwingend notwendig, wäre aber auch nicht schädlich. Je kürzer der Weg des Keimlings zum Licht ist und je schneller die Pflanze durch die Bildung grüner Blätter mit der Photosynthese beginnen kann, desto schneller durchläuft sie die Jugendentwicklung. Im weiteren Vegetationsverlauf sollten Sie einen Damm in zwei Schritten auf eine Gesamthöhe von ca. 30-35 cm anhäufeln und die angehäufelte Erde dabei leicht andrücken (Verhältnis Grobporen - Feinporen). Wenn beim Anhäufeln die untersten Blätter wieder mit Erde bedeckt werden, so ist das überhaupt nicht tragisch. Die Pflanze bildet die Menge Blattapparat nach, den sie braucht (stark sortenabhängig). Im Laufe der Vegetation achten Sie darauf, dass alle Knollen von Erde bedeckt sind, sonst werden sie grün. Einige Sorten haben einen hohen Knollenansatz und neigen dazu aus dem Damm herauszuwachsen (Größenwachstum nach oben).

Wie die Kartoffelknollen müssen auch die Kartoffelpflanzen unbedingt vor Frost geschützt werden. Besonders die Spätfröste im Mai (Stichwort Eisheilige) beobachten Kartoffelbauern jährlich mit Sorge. In der gärtnerischen Praxis hat sich das Abdecken mit Folie/Flies als üblichste Frostschutzmethode durchgesetzt, um den jungen Pflanzen ausreichend Schutz vor den meist nur geringen Frostgraden in der Nacht zu bieten. Je nach Entwicklungsstadium und Pflanzengröße kann aber auch schon das einfache Anhäufeln ausreichen (die obersten Spitzen sollten knapp bedeckt sein), was zu einem späteren Zeitpunkt sowieso gemacht werden müsste. Die Pflanze hat in der Regel schon so viel Kraft, dass sie in der Folge problemlos und sehr schnell wieder aus dem Damm herauswächst. Sollten die Pflanzen doch einmal durch Frost geschädigt worden sein, so ist es von der Schwere des Frostschadens, dem Entwicklungsstadium, aber auch von den Sorteneigenschaften abhängig, ob sie sich davon noch einmal erholt. Der sicherste Frostschutz ist und bleibt aber eine nicht zu zeitige Aussaat! Auch erst Mitte oder Ende Mai gelegte Kartoffeln bringen sehr zufriedenstellende Erträge und Qualitäten!

 

6.Düngung und Bewässerung

Durch ihre intensive Nutzung sind Gartenböden in den meisten Fällen sehr gut und ausreichend mit Grundnährstoffen versorgt, so dass Sie auf mineralische Dünger gänzlich verzichten oder eher sparsam damit umgehen sollten. Die sicherste Methode, um den Versorgungszustand Ihres Bodens mit Nährstoffen zu ermitteln, ist das Einschicken einer im März gezogenen Bodenprobe zur Analyse in einem entsprechenden Labor. Bewerten Sie die dabei ausgesprochenen Düngungsempfehlungen (speziell für Stickstoff) unter Berücksichtigung nachfolgender Aspekten eher kritisch:

·   Das sortenspezifische Ertragspotential vieler alter historischer Kartoffelsorten steht oftmals hinter dem von modernen Neuzüchtungen zurück. Selbst mit optimaler Nährstoffversorgung kann dieser Unterschied nicht ausgeglichen werden.

·   In früheren Zeiten war die mineralische Düngung unbekannt. Als einzige Nährstoffquelle diente seinerzeit organisches Material, wie Stallmist sowie Pflanzen- und Wurzelrückstände, was völlig ausreichte.

·   Heute wissen wir, dass mit einer optimalen Stickstoff- und Wasserversorgung besonders das Massenwachstum unterstützt werden kann, um hohe Erträge mit vielen großen Knollen zu erzielen. Allerdings ist dies nicht förderlich für einen ausgeprägten kräftigen und sortentypischen Eigengeschmack der jeweiligen Sorte und die Knollen schmecken dann eher wässrig.

Sollte Ihr Boden insgesamt ein niedriges Versorgungsniveau haben, so sind ca. 1 kg reiner Stickstoff je 100 m² im Mai/Juni oftmals ausreichend.

Im Gegensatz zu anderen Kulturpflanzen haben Kartoffeln einen vergleichsweise hohen Kaliumbedarf. Dieser sollte auch befriedigt werden, zumal dadurch die Haltbarkeit und Lagerungseigenschaften der Knollen positiv beeinflusst werden. In den meisten Fällen wird der natürliche Versorgungszustand ihres Gartenbodens ausreichend sein. Sollte dennoch die Notwendigkeit der Düngung bestehen, so verwenden Sie dazu idealerweise Patentkali.

Kartoffeln mögen über den gesamten Vegetationsverlauf hinweg eine kontinuierliche und ausreichende Wasserzufuhr (keine Staunässe!). Den größten Wasserbedarf haben die Pflanzen ab dem Zeitpunkt der Blüte, denn dann werden an den Wurzeln die Knollen angesetzt und beginnen mit ihrem Größenwachstum. Kürzere Trockenperioden überstehen Kartoffeln je nach Wasserspeichervermögen des Bodens relativ problemlos. Besonders in den Sommermonaten kann eine zusätzliche Wassergabe sehr hilfreich sein. Dabei sollten die Pflanzen von unten gegossen werden, um ein mögliches Einspülen von Pilzsporen (Kraut- und Knollenfäule) in den Boden nicht zu begünstigen. Mit einer ausreichenden Wassergabe zum Zeitpunkt der Blüte kann auch die Vermehrung von sauerstoffliebende Bakterien (Kartoffelschorf) gebremst werden. Achten Sie aber immer darauf, dass keine Staunässe entsteht, denn Kartoffeln wollen atmen und reagieren sehr empfindlich darauf.

 

7.Pflege und Pflanzenschutz

Speziell in der Jugendentwicklung, wenn die Pflanzen noch nicht ihren vollen Blattapparat ausgebildet haben und das Unkraut durch Lichtmangel natürlich unterdrücken können, sollten Sie den Unkrautdruck mechanisch bekämpfen (hacken oder striegeln der Dämme). Im Rahmen des anhäufelns werden Sie dies ohnehin tun.

Dem Schutz der Kartoffelpflanze sollte während der gesamten Vegetationsperiode ihre besondere Aufmerksamkeit gelten. Die Photosynthese über einen entsprechend kräftigem Blattapparat ist unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklung zahlreicher und großer Knollen an den Wurzeln!

Beobachten und kontrollieren Sie Ihre Kartoffelpflanzen kontinuierlich auf einen möglichen Befall mit Kartoffelkäfern. Selbst nach jahrzehntelanger Fruchtfolge ohne Kartoffeln können die Insekten schon im ersten Jahr des Kartoffelanbaus in großer Anzahl auftreten und einen kompletten Bestand vernichten. Das Problem sind dabei nicht die Käfer selbst, sondern die an den Blattunterseiten abgelegten roten Eier, aus denen die Larven schlüpfen und ihren unbändigen Hunger an den Blättern stillen. Bei kleinen Anbauflächen ist das Absammeln der Käfer (oft auch mehrmals notwendig) wie in früheren Zeiten immer noch die schonendste Methode. Schauen sie dabei auch unter die Blätter, denn das eigentliche Problem sind die Eier bzw. Larven. Bei größeren Anbauflächen muss mitunter mit Insektiziden unterstützt werden.

Ein zweites großes Problem im Kartoffelbau ist der Befall mit einem kleinen, aber sehr hartnäckigen und aggressiven Pilzerreger, der Kraut und Knollenfäule (Phytophthora infestans). Optimale Entwicklungsbedingen findet der Erreger bei warmer und feuchter Witterung vor, in trockenen und kühlen Jahren wird der Befall meist geringer und später ausfallen. Oftmals schon kurz nachdem die Pflanzen voll ausgewachsen sind, machen sich in manchen Jahren bereits ab Mitte/Ende Juli die ersten Anzeichen des Absterbens bemerkbar (Blattkräuseln – Blattverfärbungen - Absterben vom Blattrand beginnend). Bei spätreifenden Sorten ist dies besonders ärgerlich, denn die Pflanzen haben bis zu diesem Zeitpunkt kaum Knollen mit einem zufriedenstellenden Größenwachstum hervorgebracht. Wie man mit diesem Schaderreger umgeht bzw. ob, und wenn ja, wie man diesem Problem begenet, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen:

·     Die wirksamsten Methoden zur Eindämmung dieser jährlichen Gefahr sind die oben dargestellten Möglichkeiten eines zeitigen Saattermins, das Vorkeimen des Pflanzguts und die Verwendung von frühreifen Sorten. Das Ziel all dieser Maßnahmen besteht einzig und allein darin, den Erntetermin soweit als möglich nach vorne zu verlegen, um sicherzustellen, dass bei einem frühzeitigen Phytophtera-Befall bereits ein befriedigender Ertrag angesetzt hat.

·   Über eine gezielte Sortenauswahl mit mehr oder weniger starken sortenspezifischen Widerstandspotenzial gegenüber einem Phytophtera-Befall (eine 100%ige Resistenz gibt es nicht !) können sie durchaus auch spätreife Sorten anbauen. Allerdings bleibt ohne Pflanzenschutzmaßnahmen je nach Jahr und Krankheitsdruck immer ein Restrisiko bezüglich der Ertragshöhe.

·   Wollen Sie auf spätreifende Sorten nicht verzichten, verbunden mit der Sicherheit eines zufriedenstellenden Ertrags, so werden Sie am Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht vorbei kommen. Dabei besteht die Kunst allerdings im rechtzeitigen Erkennen eines Phytophtera-Befalls, der schnellen Reaktionszeit und in der richtigen Dosierung der notwendigen Behandlungsmaßnahmen. Dazu sollten Sie sich an den Beipackzetteln der jeweiligen Anbieter orientieren.

Aufgrund unserer Betriebsausrichtung und der damit verbundenen Sortenvielfalt, unserer jahrelangen Anbauerfahrungen und dem soliden Fachwissen als diplomierte Landwirte und Pflanzenzüchter haben wir uns für letztere Variante entschieden.

 

8.Ernte

Mit dem natürlichen Absterben der Pflanzen wird auch das Knollenwachstum beendet (fehlenden Photosynthese). Dies ist in der Regel auch der richtige Erntezeitpunkt. Allerdings sollten Sie die Knollen dann noch ca. 14 Tage im Boden belassen, damit die Schale etwas „aushärten“ kann (Korkbildung) und die Knollen somit widerstandsfähiger gegenüber Beschädigungen bei der Ernte werden. Beim Ausgraben der Knollen mittels einer Grabegabel sollten Sie Knollenbeschädigungen versuchen zu vermeiden. Lassen Sie die frisch geernteten Knollen noch ein bis zwei Tage dunkel, aber luftig stehen, damit die Knollen äußerlich schnell abtrocken und eventuellen Erntebeschädigungen schnell verheilen können.

Die Qualitätsmerkmale von Kartoffeln sind stark vom Witterungsverlauf während der Vegetationszeit abhängig (Knollengröße, Stärkegehalt, Geschmack etc.). In Jahren mit einem zeitigen Phytophtera-Befall kann das Kraut eher als gewöhnlich absterben. Die Folge ist meist ein geringerer Ertrag und/oder ein geringerer Stärkegehalt in den Knollen. Andererseits gibt es auch Jahre, in denen das Kraut sehr lange erhalten bleibt und aufgrund sehr vieler Sonnenstunden mehr Stärke als gewöhnlich in den Knollen eingelagert wird. Festkochende Sorten können dann auch schon einmal mehlig erscheinen. Legen Sie beispielsweise besonderen Wert auf möglichst konstante Stärkegehalte, so können Sie diesen über ein gezieltes Abschlagen des Krautes teilweise bestimmen (besonders in trockenen Jahren mit vielen Sonnenstunden). Dazu ist die kontinuierliche Stärkemessung mittels einer Stärkewaage notwendig. Als Anhaltspunkt für den günstigsten Erntezeitpunkt können Sie sich jedoch auch an der Eingruppierung der einzelnen Sorten nach Reifegruppen orientieren:

Reifegruppe

Anzahl Tage von der Aussaat bis zur Ernte

Bemerkungen

sehr früh reifend

90 bis 110

meist festkochende Sorten, Vorkeimung und Anbau unter Folie, das natürliche Absterben der Pflanzen wird nicht abgewartet, nur kurzzeitig lagerfähig

früh reifend

110 bis 130

festkochende und vorwiegend festkochende Sorten, bedingte Lagerfähigkeit

mittelfrüh reifend

130 bis 150

Sorten aller drei Kocheigenschaften, meist gute Lagereigenschaften

mittelspät bis spätreifend

150 bis 170

vorwiegend festkochende und mehlige Sorten, sehr gute Lagereigenschaften

sehr spät reifend

>170

oftmals Kartoffelexoten, die sich nur bedingt an unsere mitteleuropäischen Klima- und Lichtverhältnissen anpassen

 

9.Lagerung

Für eine längerfristige Einlagerung/Einkellerung (mehrere Monate) sollten Sie bereits bei der Sortenauswahl auf die sortenspezifischen Lagereigenschaften achten. Als Faustregel für die Kartoffellagerung gilt: trocken, luftig, dunkel, kühl und frostfrei! In der Fachliteratur werden als optimale Lagerbedingungen folgende Werte angegeben:

·   Lufttemperatur:  3-5°C

·   Luftfeuchtigkeit:  ca. 85%

·   CO2-Gehalt in der Luft:  1-2 Vol%

·   O2-Gehalt in der Luft:  20-21%

·   kontinuierlicher Luftaustausch

In den seltensten Fällen wird man zu Hause diese Werte konstant erreichen können. In kühlen Kellerräumen, frostsicheren Gartenlauben oder auch in Erdmieten können Sie sich diesen Optimalwerten aber sehr gut annähern. Kühlschränke eignen sich nur bedingt als Lagerraum, denn die Knollen veratmen während der Lagerung Sauerstoff und bilden Kohlendioxid.